Merke: Auch wenn du denkst, daß dein Sonnenbrand langsam zurückgeht, so holt sich ein freundschaftlicher Schlag auf den Rücken doch jederzeit wieder auf den Boden der Realität zurück.
Spanien
September 9, 2007 · Kommentar schreiben
Der Grund für die Blog-Pause der letzten zwei Wochen: Ich war in Spanien, genauer gesagt in Lloret De Mar.
Spanien ist ein witziges Land und wenn man in eine solche Touri-Sauf-Gegend fährt eigentlich das genaue Gegenteil von Deutschland: Zigaretten und Alkohol sind billig, kosten teilweise nur die Hälfte oder noch weniger als bei uns; Lebensmittel&Co sind gnadenlos überteuert. Eine Schachtel Kippen kostet genauso viel wie eine kleine Packung Chips (2,30 Eur), zwei Batterien der Größe D von einer Billigmarke kosten soviel wie eine große Flasche Vodka (4,80 Eur). Darüberhinaus bietet nahezu jeder Supermarkt eine Alkoholauswahl von geschätzten 2000 km² und der Absinth enthält noch richtig viel Thujon. Der Einzige, der einem da bei einem großzügig angelegten Alkoholschmuggel einen Strich durch die Rechnung macht ist Ryanair mit 8 Eur Aufschlag pro kg Extra-Gepäck.
Ansonsten ist Spanien genau wie man es sich immer vorstellt: Heiß und voller Spanier, denen nichts heiliger ist, als eine ausgiebige Siesta. Da kann es dann auch durchaus mal vorkommen, daß, wenn man einen Laden eine Viertelstunde vor offiziellem Siestabeginn betritt, man während dem Einkaufen vom Personal durch lautstarkes Applaudieren förmlich aus dem Supermarkt hinausgeklatscht wird.
Überhaupt, die Lautstärke: Spanische Busse haben zwei Hupen, eine leise und eine laute. Die leise wird durchgängig auf der Straße eingesetzt. Wenn zum Beispiel der Bus von einem Auto mit Millimeterabstand geschnitten wird oder Fußgänger unvermittelt vor den Bus laufen, erklingt ein leises „trööt“. Wenn aber eine Frau mit ihrem Auto die Zufahrt zum Busbahnhof blockiert und direkt neben der Autotüre steht, dann wird sie durch ein lautstarkes Zweiminuten-“TUUUUUUUUUUUT“ darauf hingewiesen, daß ihr Parkplatz nicht optimal ist. Das gefällt den Spanieren und nach vollendeter Hup-Aktion applaudiert der gesamte Bus dem Fahrer lauter als die Passagiere dem Piloten nach geglückter Landung.
Eine weitere interessante Sache sind die Automaten dort. Man kann sie in drei Kategorien unterteilen:
Glücksspielautomaten – diese sind nur in Casinos zu finden, wohingegen man die Casinos überall findet. Sie entsprechen dem europäischen Standart und fressen einfach nur auf variationsreiche Weise dein Geld.
Getränkeautomaten – findet man in der Regel an allen möglichen Straßen und Ecken. Diese entsprechen dem europäischen Standart der Glücksspielautomaten und fressen ebenfalls – auf deutlich weniger variationsreiche Weise – dein Geld. Wer sich wundert, warum die Spanier im Laden eine Cola für 2,10 Eur kaufen, wenn doch direkt daneben ein Automat steht, sollte es sich keinesfalls entgehen lassen, sich nach Einfurf von 1 Eur die verschiedenen spanischen Fehlermeldungen anzeigen zu lassen. Erzürntes Dagegentreten führt lediglich zu einem Loch in der Verkleidung.
Zigarettenautomaten – findet man nur in Bars oder Restaurants. Hier erlauben sich die Spanier gerne mal einen Scherz, sodaß es vorkommen kann, daß man beim Einwurf des Geldes einen kräftigen Stromschlag bekommt. So einfach kann Raucherentwöhnung sein.
Wer nun so richtig Lust auf Spanien bekommen hat – hier noch 10 Tipps für einen gelungenen Urlaub:
1.) Vergiss es, dich in Lloret auf Englisch oder gar Spanisch unterhalten zu wollen. Man spricht deutsch. Sogar das Personal im Burger King ist dessen problemlos mächtig, was somit einen klaren Vorteil zu den deutschen Burger-King-Filialien bietet.
2.) Du bist Kiffer und willst etwas zu rauchen? Geh einfach an der Strandpromenade entlang und du wirst in 5 min ca. 2 mal angesprochen. Der Dealer wird dir dann auch erzählen, daß momentan recht viele Bullen umherlaufen, während er sich den nächsten Joint anzündet.
3.) Es existieren keine Busfahrpläne, weder an der Touristeninformation noch am Busbahnhof. Auf die Frage, wann die Busse denn nun fahren, wird am Busbahnhof lediglich heftig rumgehustet, während die Information immerhin etwas von „meistens alle halbe Stunde“ erzählt. Das ist insofern richtig als daß tatsächlich alle halbe Stunde ein Bus fährt, nur meistens eben an unterschiedlichen Orten. Soon come.
4.) Wer im Wald campen geht, erfährt bald, was „Spanische Fliege“ wirklich bedeutet: Ein Fliegenschwarm, der sich pünktlich von morgens um 8 bis abends um 7 auf alles setzen will, was dich in irgendeiner Weise betrifft: Du, dein Bier, dein Essen, deine Klamotten, und absolut alles, was sich im Umkreis von 5 Metern um dich befindet.
5.) Dieser Fliegenschwarm wird pünktlich um 7 Siesta halten und von einem Schnakenschwarm abgelöst werden. Das Witzige dabei: Es sind geräuschlose Schnaken mit einer Größe von ca. 1mm, die nach geglückter Blutabsaugeaktion einen ca. 20 mal so großen roten, juckenden Knubbel auf deiner Haut hinterlassen. 20 Stiche/Tag sind, wenn man in Badekleidung umherläuft, keine Seltenheit.
6.) Kauf dir keine Billig-Sangria für 80 Cent/Liter. Nein wirklich, tu’s nicht.
7.) Vermeide es, dir einen Döner zu kaufen, wenn du nicht offen für ein neues Geschmacks- & Preiserlebnis bist. Für 4,50 Eur bekommst du eine ca. 10 cm lange Rolle mit einem Durchmesser von etwa 3 cm. Die Sauce besteht in der Regel aus Ketchup und Majo, manche Buden haben jedoch auch ein Spezialrezept. Dann besteht sie aus Ketchup und Senf.
8.) Vermeide es, in Lloret nachts am Strand chillen zu wollen, wenn du nicht drei Stunden lang den kompletten Titanic-Soundtrack hören willst.
9.) Denke immer daran: Spanier wollen nur dein Bestes. Dein Geld.
10.) Das Allerwichtigste: Versuche niemals – niemals! – einen Zelthering mit einem Stein aus dem Boden lösen zu wollen. Dein Fingernagel wird es dir danken. Meine Beiträge werden sich in nächster Zeit wohl ein bisschen reduzieren. Das würde zumindest mein Finger mir wahrscheinlich danken.
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Bildblog
August 27, 2007 · Kommentar schreiben
Nicht mehr ganz aktuell, aber immer einen Hinweis wert: Der Werbespot des Bildblog.
Abgesehen davon, daß der Spot sehr gelungen ist (Christoph Maria Herbst ist spätestens seit Stromberg einer der Top-Schauspieler, wohingegen Anke Engelke seit sie Marge Simpson spricht für mich etwas abgestiegen ist, aber sei’s drum) – Alleine daß es diesen Spot geben durfte, zeigt, wie sehr sich das Bildblog mittlerweile etabliert hat. Eine nichtkommerzielle Webseite, die sich lediglich mit einer (schlechten) Tageszeitung befasst, steht in der Lesergunst soweit oben, daß sich sogar die Schauspieler bereit erklären, ohne Gage mitzuwirken.
Das Einzige, das nun noch fehlt, ist das Bildblog in gedruckter Form am Kiosk. Zum Beispiel in Form eines großen Zettels, der täglich von den Zeitschriftenhändlern einfach in die normale Bild gesteckt wird. Dann hätte man endlich eine Korrekturspalte mit echten Informationen.
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Money Express
August 26, 2007 · Kommentar schreiben
Heute mal wieder versehentlich reingeschaltet: Money Express, eine von Stephan Mayerbacher und seiner Callactive GmbH produzierte „Call-In“ TV-Show. Es kam mal wieder das „Zählen sie alle Liter“- „Gewinn“spiel. Natürlich wie immer ohne Gewinnumschlag. Das heißt, die Regie kann jede beliebige Zahl als „Lösung“ einblenden. Gesetzt den Fall, die ursprüngliche Lösung wäre vielleicht 335 und ein Zuschauer hätte per Zufall 335 gesagt, so könnte die Regie nachträglich immer noch 336 einblenden. Nachprüfen kann es keiner. So unerträglich Neun Live auch sein mag, so untransparent sind nichtmal die.
Aber das ist bei Weitem nicht die einzige Ungereimtheit, die sich bei Money-Express abspielt. Wenn man sich die Sendung regelmäßig antut, wird man feststellen, daß es zwei Spielmodi gibt:
Nummer 1 – Spiele mit eindeutiger Lösung.
Nach meiner Beobachtung beginnt in der Regel eine „Spiel“runde folgendermaßen: Zwei bis drei Anrufer werden durchgestellt, die ein einfaches Rätel lösen und dafür vergleichsweise niedrige Geldbeträge in Höhe von 30-400 Eur gewinnen. Dann wird es mysteriös: Ab sofort sind runde 50 % der „Anrufer“, die durchgestellt werden Leute, die sofort wieder auflegen. Als ob die Regie einfach nur den Telefon-Sound eingespielt hätte. Die anderen rund 50 % sind „Anrufer“, die eine komplett schwachsinnige Lösung anbieten. Wäre die richtige Lösung ‘Baum’, so sagen diese „Zuschauer“ Sachen wie ‘Nashorn’ oder ‘oxidative Decarboxilierung’. Die Gewinnsumme liegt nun bei um die 4000 Euro, gerne auch mit einem Plasma-Fernseher zum anfixen. Pünktlich gegen Sendeende wird dann ein Anrufer durchgestellt, der ‘Baum’ auflöst und gewinnt. Es ist allerdings auch schon vorgekommen, daß es innerhalb von 2 1/2 Stunden angeblich niemand geschafft hat, die richtige, SEHR einfache Lösung zu nennen. Dann behält der Sender das Geld.
Interessant auch, daß viele Leute – mich eingeschlossen – der Meinung sind, daß die „Anrufer“, die schwachsinnige Lösungen anbieten, von Sendung zu Sendung gleich klingen, sich aber immer anders nennen. Als hätte man einen festen Stab von ca. 10 Personen, der nichts anderes macht als falsche Lösungen zu sagen, damit der Zuschauer die Illusion hat, er könne tatsächlich durchkommen. Rechtlicher Disclaimer: „Als hätte…“
Nummer 2 – Spiele mit einer hohen Anzahl an Lösungsmöglichkeiten
Nach meiner Beobachtung läuft dieser „Spiel“modus folgendermaßen ab: Ein Bild wird eingeblendet, auf dem man irgendwas zählen soll. Alle Liter, alle Herz, alle Augen oder wasauchimmer. Hier werden dann in vergleichsweise hohem Tempo Anrufer durchgestellt, die alle möglichen Zahlen von 1-1000 in den Raum werfen. Daß ein derartiges Spiel korrekt gelöst wurde, habe ich nie mitbekommen. Zum Schluß wird eine beliebige Lösung eingeblendet. Da kann es denn auch mal vorkommen, daß bei zwei Spieltagen zwei Bilder, die meiner Meinung nach exakt gleich aussehen, zwei verschiedene Lösungen eingeblendet werden. Erklärungen, wie diese Lösungen dann zustandekommen, klingen im O-Ton so:
„410 wär’s gewesen. Warum? Weil, hier bei mir bei dem Faß (zeigt auf das 25-Liter-Faß) eines dahinter ist mit Stöpsel, deshalb ist der Schatten da unten. In der Mitte ist am hinteren Faß ein Stöpsel, deshalb ist der Schatten unten, im mittleren Faß, was zu sehen ist, ist aber kein Stöpsel, also der Inhalt zählt nicht. Oben, sehen sie, beim blauen, da ist kein Punkt, das zählt offiziell nicht als Abkürzung. Bei 25 Liter ist es angeschnitten, deshalb dürfen sie es da nicht zählen. Deshalb sag ich immer genau hinschauen und bei dem 10 Liter Faß da unten, da ist der Stöpsel drin und deshalb müssen sie da den Inhalt auch noch mal zählen und die Schrift zwei Mal, die oben drauf steht, ok? Das nächste Mal schaffen sie es hoffentlich.“ (Anruf-Erfleherin (manche nennen sie Animatorin) Yvonne S.)
Klar soweit?
Interessant sind aber auch noch andere Dinge:
Das Forum call-in-tv.de, das regelmäßig Call-In-Sendungen analysiert und speziell dessen Blog wird gehackt. Wer könnte wohl Interesse daran haben, ein derartiges Blog mundtot zu machen?
Im Namen von call-in-tv.de und stefan-niggemeier.de werden massenhaft Spammails mit gefälschten Spendenaufrufen verschickt, was beide Seiten in Mißkredit bringt. Stefan Niggemeier erstattet Strafanzeige. Wer könnte wohl Interesse daran haben,…
Es existieren diverse Excel-Tabellen, in denen das Neun-Live-Programm detailliert inklusive aller Verstöße aufgelistet wird. Als Autorin dieser Listen ist die Callactive-Leiterin Nadine Rumpf angegeben und auch allem sonstigen Anschein nach scheinen diese Dateien von Callactive zu kommen. Laut Callactive existieren diese Dateien aber nicht. Willkommen in der Twilight Zone.
Nachdem Stefan Niggemeier über diese Dateien berichtet hat, kommentiert ein Wesen, das sich „Journalist“ nennt, diesen Beitrag. 41 mal. Alles hat den Anschein, daß es sich bei diesem Wesen um Stephan Mayerbacher handelt. Das wird natürlich umgehend dementiert. Die IP-Adresse wird bei allen Kommentaren anonymisiert. Bis auf einmal. Diese IP-Adresse kommt von…na? Könnt ihr es euch denken? Richtig! Von einer Firma namens…Callactive.
Gegen Callactive wurde Strafantrag gestellt. Der Namen des Antragstellers wurde Callactive mitgeteilt, warum auch immer. Nun ist Stephan Meyerbachers Reaktion darauf folgende: Er veröffentlicht diverse personenbezogenen Daten im Internet. Motto: Ich weiß, wer du bist. Die Mafia gebraucht übrigens ähnliche Methoden. Aber das hat mit diesem Thema schließlich rein garnichts zu tun und ist nur ein Füllsatz.
Bei call-in-tv.de wurde aufgrund gerichtlicher Fehlentscheidungen eine Wortsperre eingerichtet, die das Wort „Fake-Anrufer“ nicht mehr zulässt. Ein User registriert sich und verfasst gleich zwei Beiträge, die diese Wortsperre umgehen. Marc Doehler sichtet die Beiträge nach wenigen Minuten und löscht sie. Dennoch bekommt er von Callactive aufgrund dieser Beiträge eine Anzeige. Die Frage: Wie wahrscheinlich ist es, daß Callactive grade zufällig zu jenem Zeitpunkt in das Forum geschaut hat? Ungefähr so wahrscheinlich, wie ein echter Mensch auf die Frage „Was ist 2+2?“ mit 113 antworten würde? Aber da derartiges Bei Callactive regelmäßig passiert, können wir nicht davon ausgehen, daß CA die Beiträge selbst verfasst hat. Schließlich ist uns das gerichtlich untersagt.
Man kommt sich ein bisschen vor wie in der DDR. Kritik muß so formuliert werden, daß sie positiv klingt, sonst landet man im Knast.
Eigentlich ist es ja egal: Wenn es tatsächlich Leute gibt, die dumm genug sind, bei Callactive anzurufen – bitte. Sie reiten sich in die Schuldenfalle und fertig. Evolutionstechnisch sinnvoll, der Stärkere (oder Klügere) überlebt. Aber dann will ich auch das Recht haben, Stephan Mayerbacher mit Bananen abzuwerfen.
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Sind wir wirklich so dumm?
August 24, 2007 · Kommentar schreiben
Die Hölle soll kein schöner Platz sein. Sie wird als „Ort der Verdammnis“ bezeichnet, an dem einen Qualen unendlichen Ausmaßes und Dämonen übelster Sorte erwarten. Man kann sie in etwa mit dem deutschen Fernsehprogramm gleichsetzen.
Wer sich einmal in diesen Dschungel menschlicher Abgründe gewagt hat, läuft Gefahr, ernsthaften Schaden zu nehmen. Hat man es mal geschafft, einem der zahllosen „Bandansage für 50 Cent“-Formate zu entkommen, bei denen einem permanent in’s Ohr gebrüllt wird, daß man „Jöööööööötzt“ anrufen solle, wird man von Gerichts- & Talkshows umzingelt. Den Frontalangriff startet Sonya Kraus, die es in „Talk Talk Talk“ hervorragend versteht, eine auf all den komprimierten Fernsehmüll perfekt abgestimmte Kleidung zu tragen. Aber auch ihre Mitstreiter sind nicht ohne: Gerade als man fliehen will, marschiert Tine Wittler in 4 Wände ein und tut so als hätte sie jede Menge Ahnung und Fachwissen. Daß in Wirklichkeit alles andere Leute erledigen lässt sich gut vertuschen, da Tine den Arbeitern einen hervorragenden Sichtschutz bietet.
Nachdem man dann also gesehen hat, was für ein schönes Zimmer man nie haben wird, darf man sich von den Putzteufeln Marke „rabiate Schiffskombüsenköchinnen“ zeigen lassen, wo man zu Hause gefälligst sauber machen soll. Wir lernen: Staub ist schlimmer als Hitler. Was wir ebenfalls lernen ist, daß man sich nie durch’s Fernsehen verkuppeln lassen sollte. Da werden „aus dramaturgischen Gründen“ bei „Frauentausch“ lesbische Punks zu religiösen Betmaschinen gesteckt und bei Pro Sieben die Zuschauer zu einer Hochzeit von Gülcan, die so interessant ist wie ein ausgelaufener Joghurtbecher. „Ganz Deutschland fiebert mit“ heißt die zugehörige Schlagzeile in der Werbung. Hierzu stelle ich fest: Ich nicht. Wenn man das also bitte im Titel berücksichtigen würde.
Doch natürlich bietet das Fernsehen auch Sendungen mit Lerneffekt. Dank Pokémon kann sich nun jeder vorstellen, wie sich Epileptiker fühlen müssen; dank Yu-Gi-Oh! wissen wir, daß man auch dann fett Kohle machen kann, wenn man absolut gar keine eigenen Ideen hat und dank „Oops!“, der Pannenshow, können wir erfahren, daß RTL es richtig geil witzig findet, wenn sich die kleine Anne den Fuß verstaucht. Herrlich! Stellt euch das nur mal vor, die STOLPERT! – UND verstaucht sich den Fuß! Köstlich!
Aber man darf auch nicht unfair sein. Sogar in der Anfangszeit des Fernsehens gab es Sendungen, die die gleiche inhaltliche Qualität boten. Nur nannte man sie damals anders. Da hießen sie noch „Testbild“.
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Mein Humor komme, dein Humor gehe – wie im Himmel so auf Erden
August 23, 2007 · 1 Kommentar
Man kann sich das wohl so vorstellen: Der Deutsche, ein possierliches Arbeitstierchen, hat pünktlich zum Fasching 6 Tage im Jahr Spaß. Da setzt man sich dann lustige Papphüte auf, schunkelt breit grinsend besoffen vor sich hin und weiß genau, daß man immer dann lachen muß, wenn die Kapelle nach jedem Halbsatz ein „Det-DÄ Det-DÄ Det-DÄ“ einspielt. Nach einem derart komprimierten Lachmarathon braucht man natürlich auch wieder eine Pause und so werden die restlichen 359 Tage in stiller Ernsthaftigkeit verbracht. Lachen ja, aber bitte nur mit offizieller Genehmigung über hintergrundlosen Humor.
Nun hat es der Cartoonist Haderer aber gewagt, gleich beide dieser Regeln zu brechen. Im Stern 33/2007 veröffentlichte er unter dem Titel „Na endlich! Das Antirauchergesetz wird konsequent durchgesetzt!“ eine Karikatur, die einen von allen Seiten hämisch ausgelachten Menschen zeigt, der ein Schild mit folgender Aufschrift um den Hals trägt: „Ich bin im Ort das größte Schwein, lass mich mit einem Raucher ein.“
Das war zu viel! Wie kann man nur! Selbstverständlich sind in den Leserbriefen sofort die selbsternannten Kämpfer des guten Humors zur Stelle. So ist Martin Finckh aus Sindelfingen „entsetzt“ über diesen „despektierlichen und geschmacklosen“ Cartoon. Auch Thomas Rasch aus Velber versucht sich an einer knackigen Formulierung: „Kommen sie mir nur nicht damit, daß Satire alles darf. Darf sie nicht!“, erzürnt er sich. Recht hat er! Wo kämen wir denn hin, wenn wir keine Denkverbote hätten? Vielleicht würde es ja tatsächlich noch jemand wagen, auf Mißstände aufmerksam zu machen!
Das Cigar-Blog dagegen hat zunächst nicht ganz verstanden, daß dieser Cartoon eine versteckte Anspielung enthält: „Von einem Leser sind wir darauf aufmerksam gemacht worden, dass die (…) Karikatur (…) Bezug auf das Dritte Reich nimmt.“ Und – natürlich – „Wir haben deshalb entschieden, den fraglichen Beitrag zu löschen.“ Selbstverständlich stimmen auch die Gutmenschenraucher darin überein. Jemand, der sich Realist nennt, sieht eine „Gleichstellung von Raucherschicksal und Judenvernichtung“ – daß Satire überspitzt und sie gerade dadurch witzig wird ist unwichtig. Witze müssen 1:1 ins echte Leben übertragbar sein!
Satire, so heißt es im Englischen, „has to push the envelope“ – muß an die Grenzen gehen, überzeichnen. Macht Sinn, denn ansonsten würde man einfach nur einen Sachverhalt darstellen und daß das nur begrenzt witzig ist, sieht man an unseren Politikern. Sicher, auch völlig reale Begebenheiten können witzig sein; das beste Beispiel hierfür liefert die Sitcom „Seinfeld“. Aber Humor kommt in vielen Varianten daher: Albern, spitz, trocken, satirisch und so wenig ich ihn teile, so sehr hat auch der Fasnachtshumor seine Daseinsberechtigung. Humor macht Menschen glücklich, lachen befreit – es würde mir im Traum nicht einfallen, das jemandem nehmen zu wollen. Mit welcher Begründung denn? „Ich teile diese Art Humor nicht, also schafft sie ab“? Lieber Herr Finckh, lieber Herr Rasch…für wen haltet haltet ihr euch eigentlich, bestimmen zu dürfen, über was man lacht?
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