Sind wir wirklich so dumm?

Die Hölle soll kein schöner Platz sein. Sie wird als „Ort der Verdammnis“ bezeichnet, an dem einen Qualen unendlichen Ausmaßes und Dämonen übelster Sorte erwarten. Man kann sie in etwa mit dem deutschen Fernsehprogramm gleichsetzen.

Wer sich einmal in diesen Dschungel menschlicher Abgründe gewagt hat, läuft Gefahr, ernsthaften Schaden zu nehmen. Hat man es mal geschafft, einem der zahllosen „Bandansage für 50 Cent“-Formate zu entkommen, bei denen einem permanent in’s Ohr gebrüllt wird, daß man „Jöööööööötzt“ anrufen solle, wird man von Gerichts- & Talkshows umzingelt. Den Frontalangriff startet Sonya Kraus, die es in „Talk Talk Talk“ hervorragend versteht, eine auf all den komprimierten Fernsehmüll perfekt abgestimmte Kleidung zu tragen. Aber auch ihre Mitstreiter sind nicht ohne: Gerade als man fliehen will, marschiert Tine Wittler in 4 Wände ein und tut so als hätte sie jede Menge Ahnung und Fachwissen. Daß in Wirklichkeit alles andere Leute erledigen lässt sich gut vertuschen, da Tine den Arbeitern einen hervorragenden Sichtschutz bietet.

Nachdem man dann also gesehen hat, was für ein schönes Zimmer man nie haben wird, darf man sich von den Putzteufeln Marke „rabiate Schiffskombüsenköchinnen“ zeigen lassen, wo man zu Hause gefälligst sauber machen soll. Wir lernen: Staub ist schlimmer als Hitler. Was wir ebenfalls lernen ist, daß man sich nie durch’s Fernsehen verkuppeln lassen sollte. Da werden „aus dramaturgischen Gründen“ bei „Frauentausch“ lesbische Punks zu religiösen Betmaschinen gesteckt und bei Pro Sieben die Zuschauer zu einer Hochzeit von Gülcan, die so interessant ist wie ein ausgelaufener Joghurtbecher. „Ganz Deutschland fiebert mit“ heißt die zugehörige Schlagzeile in der Werbung. Hierzu stelle ich fest: Ich nicht. Wenn man das also bitte im Titel berücksichtigen würde.

Doch natürlich bietet das Fernsehen auch Sendungen mit Lerneffekt. Dank Pokémon kann sich nun jeder vorstellen, wie sich Epileptiker fühlen müssen; dank Yu-Gi-Oh! wissen wir, daß man auch dann fett Kohle machen kann, wenn man absolut gar keine eigenen Ideen hat und dank „Oops!“, der Pannenshow, können wir erfahren, daß RTL es richtig geil witzig findet, wenn sich die kleine Anne den Fuß verstaucht. Herrlich! Stellt euch das nur mal vor, die STOLPERT! – UND verstaucht sich den Fuß! Köstlich!

Aber man darf auch nicht unfair sein. Sogar in der Anfangszeit des Fernsehens gab es Sendungen, die die gleiche inhaltliche Qualität boten. Nur nannte man sie damals anders. Da hießen sie noch „Testbild“.

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