Money Express

Heute mal wieder versehentlich reingeschaltet: Money Express, eine von Stephan Mayerbacher und seiner Callactive GmbH produzierte „Call-In“ TV-Show. Es kam mal wieder das „Zählen sie alle Liter“- „Gewinn“spiel. Natürlich wie immer ohne Gewinnumschlag. Das heißt, die Regie kann jede beliebige Zahl als „Lösung“ einblenden. Gesetzt den Fall, die ursprüngliche Lösung wäre vielleicht 335 und ein Zuschauer hätte per Zufall 335 gesagt, so könnte die Regie nachträglich immer noch 336 einblenden. Nachprüfen kann es keiner. So unerträglich Neun Live auch sein mag, so untransparent sind nichtmal die.

Aber das ist bei Weitem nicht die einzige Ungereimtheit, die sich bei Money-Express abspielt. Wenn man sich die Sendung regelmäßig antut, wird man feststellen, daß es zwei Spielmodi gibt:

Nummer 1 – Spiele mit eindeutiger Lösung.
Nach meiner Beobachtung beginnt in der Regel eine „Spiel“runde folgendermaßen: Zwei bis drei Anrufer werden durchgestellt, die ein einfaches Rätel lösen und dafür vergleichsweise niedrige Geldbeträge in Höhe von 30-400 Eur gewinnen. Dann wird es mysteriös: Ab sofort sind runde 50 % der „Anrufer“, die durchgestellt werden Leute, die sofort wieder auflegen. Als ob die Regie einfach nur den Telefon-Sound eingespielt hätte. Die anderen rund 50 % sind „Anrufer“, die eine komplett schwachsinnige Lösung anbieten. Wäre die richtige Lösung ‚Baum‘, so sagen diese „Zuschauer“ Sachen wie ‚Nashorn‘ oder ‚oxidative Decarboxilierung‘. Die Gewinnsumme liegt nun bei um die 4000 Euro, gerne auch mit einem Plasma-Fernseher zum anfixen. Pünktlich gegen Sendeende wird dann ein Anrufer durchgestellt, der ‚Baum‘ auflöst und gewinnt. Es ist allerdings auch schon vorgekommen, daß es innerhalb von 2 1/2 Stunden angeblich niemand geschafft hat, die richtige, SEHR einfache Lösung zu nennen. Dann behält der Sender das Geld.
Interessant auch, daß viele Leute – mich eingeschlossen – der Meinung sind, daß die „Anrufer“, die schwachsinnige Lösungen anbieten, von Sendung zu Sendung gleich klingen, sich aber immer anders nennen. Als hätte man einen festen Stab von ca. 10 Personen, der nichts anderes macht als falsche Lösungen zu sagen, damit der Zuschauer die Illusion hat, er könne tatsächlich durchkommen. Rechtlicher Disclaimer: „Als hätte…“

Nummer 2 – Spiele mit einer hohen Anzahl an Lösungsmöglichkeiten
Nach meiner Beobachtung läuft dieser „Spiel“modus folgendermaßen ab: Ein Bild wird eingeblendet, auf dem man irgendwas zählen soll. Alle Liter, alle Herz, alle Augen oder wasauchimmer. Hier werden dann in vergleichsweise hohem Tempo Anrufer durchgestellt, die alle möglichen Zahlen von 1-1000 in den Raum werfen. Daß ein derartiges Spiel korrekt gelöst wurde, habe ich nie mitbekommen. Zum Schluß wird eine beliebige Lösung eingeblendet. Da kann es denn auch mal vorkommen, daß bei zwei Spieltagen zwei Bilder, die meiner Meinung nach exakt gleich aussehen, zwei verschiedene Lösungen eingeblendet werden. Erklärungen, wie diese Lösungen dann zustandekommen, klingen im O-Ton so:
„410 wär’s gewesen. Warum? Weil, hier bei mir bei dem Faß (zeigt auf das 25-Liter-Faß) eines dahinter ist mit Stöpsel, deshalb ist der Schatten da unten. In der Mitte ist am hinteren Faß ein Stöpsel, deshalb ist der Schatten unten, im mittleren Faß, was zu sehen ist, ist aber kein Stöpsel, also der Inhalt zählt nicht. Oben, sehen sie, beim blauen, da ist kein Punkt, das zählt offiziell nicht als Abkürzung. Bei 25 Liter ist es angeschnitten, deshalb dürfen sie es da nicht zählen. Deshalb sag ich immer genau hinschauen und bei dem 10 Liter Faß da unten, da ist der Stöpsel drin und deshalb müssen sie da den Inhalt auch noch mal zählen und die Schrift zwei Mal, die oben drauf steht, ok? Das nächste Mal schaffen sie es hoffentlich.“ (Anruf-Erfleherin (manche nennen sie Animatorin) Yvonne S.)
Klar soweit?

Interessant sind aber auch noch andere Dinge:

Das Forum call-in-tv.de, das regelmäßig Call-In-Sendungen analysiert und speziell dessen Blog wird gehackt. Wer könnte wohl Interesse daran haben, ein derartiges Blog mundtot zu machen?

Im Namen von call-in-tv.de und stefan-niggemeier.de werden massenhaft Spammails mit gefälschten Spendenaufrufen verschickt, was beide Seiten in Mißkredit bringt. Stefan Niggemeier erstattet Strafanzeige. Wer könnte wohl Interesse daran haben,…

Es existieren diverse Excel-Tabellen, in denen das Neun-Live-Programm detailliert inklusive aller Verstöße aufgelistet wird. Als Autorin dieser Listen ist die Callactive-Leiterin Nadine Rumpf angegeben und auch allem sonstigen Anschein nach scheinen diese Dateien von Callactive zu kommen. Laut Callactive existieren diese Dateien aber nicht. Willkommen in der Twilight Zone.

Nachdem Stefan Niggemeier über diese Dateien berichtet hat, kommentiert ein Wesen, das sich „Journalist“ nennt, diesen Beitrag. 41 mal. Alles hat den Anschein, daß es sich bei diesem Wesen um Stephan Mayerbacher handelt. Das wird natürlich umgehend dementiert. Die IP-Adresse wird bei allen Kommentaren anonymisiert. Bis auf einmal. Diese IP-Adresse kommt von…na? Könnt ihr es euch denken? Richtig! Von einer Firma namens…Callactive.

Gegen Callactive wurde Strafantrag gestellt. Der Namen des Antragstellers wurde Callactive mitgeteilt, warum auch immer. Nun ist Stephan Meyerbachers Reaktion darauf folgende: Er veröffentlicht diverse personenbezogenen Daten im Internet. Motto: Ich weiß, wer du bist. Die Mafia gebraucht übrigens ähnliche Methoden. Aber das hat mit diesem Thema schließlich rein garnichts zu tun und ist nur ein Füllsatz.

Bei call-in-tv.de wurde aufgrund gerichtlicher Fehlentscheidungen eine Wortsperre eingerichtet, die das Wort „Fake-Anrufer“ nicht mehr zulässt. Ein User registriert sich und verfasst gleich zwei Beiträge, die diese Wortsperre umgehen. Marc Doehler sichtet die Beiträge nach wenigen Minuten und löscht sie. Dennoch bekommt er von Callactive aufgrund dieser Beiträge eine Anzeige. Die Frage: Wie wahrscheinlich ist es, daß Callactive grade zufällig zu jenem Zeitpunkt in das Forum geschaut hat? Ungefähr so wahrscheinlich, wie ein echter Mensch auf die Frage „Was ist 2+2?“ mit 113 antworten würde? Aber da derartiges Bei Callactive regelmäßig passiert, können wir nicht davon ausgehen, daß CA die Beiträge selbst verfasst hat. Schließlich ist uns das gerichtlich untersagt.

Man kommt sich ein bisschen vor wie in der DDR. Kritik muß so formuliert werden, daß sie positiv klingt, sonst landet man im Knast.
Eigentlich ist es ja egal: Wenn es tatsächlich Leute gibt, die dumm genug sind, bei Callactive anzurufen – bitte. Sie reiten sich in die Schuldenfalle und fertig. Evolutionstechnisch sinnvoll, der Stärkere (oder Klügere) überlebt. Aber dann will ich auch das Recht haben, Stephan Mayerbacher mit Bananen abzuwerfen.

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