Granaten sind wir woanders

In Switch Reloaded ist Max Giermann Gott. Jede von ihm parodierte Figur wird mit all ihren Eigenschaften perfekt dargestellt und wenn man in ihr eines nicht erkennt, dann ist es Max Giermann. Logische Konsequenz war für Pro 7 ihm eine eigene Samstagabendshow zu geben, die immer Dienstags läuft. Das ist insofern geschickt, als daß sie auf dem Sendeplatz von Switch Reloaded ausgestrahlt wird um deren Anhängerschaft zu gewinnen und insofern ungeschickt, als daß dadurch derzeit nicht wie ursprünglich geplant Switch Reloaded läuft.

„Granaten wie wir“ moderiert Max Giermann jede Sendung in einer anderen Parodie und das tut er mit gewohnter Perfektion: Er spielt nicht, er ist. Soweit, so gut. Was man bei Pro 7 leider nicht bedacht hat ist, daß ein Schauspieler noch keine Sendung macht und es speziell bei einer Comedy-Show nicht verkehrt ist, auch gute Gag-Autoren zu haben. Von der bissigen Schärfe aus Switch ist bei Granaten wie wir leider wenig zu finden. In kurzen Einspielfilmen wird z.B. gezeigt, wie es aussieht wenn Stefan Raab Jesus Christus wäre, der sich darüber beklagt, daß er’s am Kreuz habe. Leider war das auch einer der besseren Witze; ansonsten sieht man einen Youtube-Gerätecheck, in dem Bügeleisen und Kaffeekanne verglichen werden (letztere gewinnt, da sie Kaffee enthält), einen Scherzbold, der jemanden verarscht und dafür vom Bus überfahren wird oder einen Modellbastler, der statt einem Auto ein Kind fernsteuert. Der Witz besteht hier darin, daß das Kind wegläuft. Ist ungefähr so lustig wie es klingt.

Abgesehen von diesen Einspielfilmen, die vielleicht ein Viertel der Sendung ausmachen, gibt es den Showrahmen, in dem Max als prominente Rolle mit den Gästen „talkt“. So lässt er sich z.B. als Johann Lafer von Detlef D. Soost zu Liegestützen anleiten, tanzt mit den nicht allzu begeisterten Backstreet Boys oder lässt Freiwillige ein paar hundert Toastbrote für das Publikum belegen. Abgesehen von der fehlenden Gagdichte ist das große Manko hier, daß diese recht belanglose Moderation anscheinend vom Drehbuch her vorgegeben ist und somit keinen Platz für echte Gespräche mit den Gästen bietet. Auf deren Antworten wird meist nur – wenn überhaupt – mit einem Kurzkommentar („Sag mal, das ist doch was, oder?“, „Genau so.“, „Ja natürlich“) eingegangen und dann zu den vorgegebenen Witzen („Ich hab Internet sogar auf dem Computer“, „Herzlich willkommen zu Granatäpfel…äh Granaten wie wir“) übergeleitet.

Ich glaube kaum, daß sich Max Giermann mit dieser Show einen großen Gefallen tut. Zwar ist das Format wohl speziell für ihn erdacht worden und allein von ihm präsentierbar. Doch hätte man, wenn Witze und Konzept so bleiben, auch direkt die parodierten Personen moderieren lassen können.

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