Archiv der Kategorie: Fernsehen

Sat. 3llite

Selten, daß in diese Blog (ja, es heißt „die Blog“!) überhaupt etwas geschrieben wird, aber wenn dann immerhin über das national belangloseste Thema überhaupt: den Grand Prix. De la chanson. D’eurovision.

Was waren das noch für widerliche Zeiten, als Nicole mit „ein bisschen Frieden“ das Mitleid der Welt erregte. Ein idealloser Hippie-Song-Abklatsch zu einer Zeit, zu der die Bewegung selbst bereits außer Mode war. Trotzdem würdigten alle Länder die schöne Ironie, dieses Lied ausgerechnet von Deutschland zu hören. 20 Jahre später jedoch hatten sie die Schnauze voll von Ralph Siegels Zynismus und straften die Idee, eine blinde Sängerin ein anbiederungsvoll-belangloses Lied auf englisch singen zu lassen, gnadenlos ab.

Seien wir mal ehrlich: Die einzigen Lichtblicke für Deutschland im Grand Prix (dlc.de) waren, als Stefan Raab zu der Zeit als er noch gut war, kranke Lieder schrieb. Der Rest waren Lieder, die einem deswegen gefallen haben, weil man sie schnell vergessen wollte und sie das Potential dazu besaßen.

Nun gibt es „Unser Star für Oslo“ im Fernsehen. Viel kritisiert, weil da weniger Kandidaten fertigmacht werden und dadurch für die Autoren der Yahoo & T-Online-News weniger Anreiz geboten wird, einzuschalten. Trotzdem schrieb Stefan „Master of Language“ Raab zusammen mit Lena Meyer-Landrut ein Lied auf englisch (Love Me, falls Sie den Titel im Beitrag des FAZ-Fernsehblogs vermisst haben) und alle waren begeistert: Stefan Niggemeier (http://www.stefan-niggemeier.de), Stefan Niggemeier (http://faz-community.faz.net/der-viel-zu-lange-Linktitel.aspx), & Michael. Trotzdem find ich Satellite besser. Wollt ich jetzt halt auch mal gesagt haben.

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Granaten sind wir woanders

In Switch Reloaded ist Max Giermann Gott. Jede von ihm parodierte Figur wird mit all ihren Eigenschaften perfekt dargestellt und wenn man in ihr eines nicht erkennt, dann ist es Max Giermann. Logische Konsequenz war für Pro 7 ihm eine eigene Samstagabendshow zu geben, die immer Dienstags läuft. Das ist insofern geschickt, als daß sie auf dem Sendeplatz von Switch Reloaded ausgestrahlt wird um deren Anhängerschaft zu gewinnen und insofern ungeschickt, als daß dadurch derzeit nicht wie ursprünglich geplant Switch Reloaded läuft.

„Granaten wie wir“ moderiert Max Giermann jede Sendung in einer anderen Parodie und das tut er mit gewohnter Perfektion: Er spielt nicht, er ist. Soweit, so gut. Was man bei Pro 7 leider nicht bedacht hat ist, daß ein Schauspieler noch keine Sendung macht und es speziell bei einer Comedy-Show nicht verkehrt ist, auch gute Gag-Autoren zu haben. Von der bissigen Schärfe aus Switch ist bei Granaten wie wir leider wenig zu finden. In kurzen Einspielfilmen wird z.B. gezeigt, wie es aussieht wenn Stefan Raab Jesus Christus wäre, der sich darüber beklagt, daß er’s am Kreuz habe. Leider war das auch einer der besseren Witze; ansonsten sieht man einen Youtube-Gerätecheck, in dem Bügeleisen und Kaffeekanne verglichen werden (letztere gewinnt, da sie Kaffee enthält), einen Scherzbold, der jemanden verarscht und dafür vom Bus überfahren wird oder einen Modellbastler, der statt einem Auto ein Kind fernsteuert. Der Witz besteht hier darin, daß das Kind wegläuft. Ist ungefähr so lustig wie es klingt.

Abgesehen von diesen Einspielfilmen, die vielleicht ein Viertel der Sendung ausmachen, gibt es den Showrahmen, in dem Max als prominente Rolle mit den Gästen „talkt“. So lässt er sich z.B. als Johann Lafer von Detlef D. Soost zu Liegestützen anleiten, tanzt mit den nicht allzu begeisterten Backstreet Boys oder lässt Freiwillige ein paar hundert Toastbrote für das Publikum belegen. Abgesehen von der fehlenden Gagdichte ist das große Manko hier, daß diese recht belanglose Moderation anscheinend vom Drehbuch her vorgegeben ist und somit keinen Platz für echte Gespräche mit den Gästen bietet. Auf deren Antworten wird meist nur – wenn überhaupt – mit einem Kurzkommentar („Sag mal, das ist doch was, oder?“, „Genau so.“, „Ja natürlich“) eingegangen und dann zu den vorgegebenen Witzen („Ich hab Internet sogar auf dem Computer“, „Herzlich willkommen zu Granatäpfel…äh Granaten wie wir“) übergeleitet.

Ich glaube kaum, daß sich Max Giermann mit dieser Show einen großen Gefallen tut. Zwar ist das Format wohl speziell für ihn erdacht worden und allein von ihm präsentierbar. Doch hätte man, wenn Witze und Konzept so bleiben, auch direkt die parodierten Personen moderieren lassen können.

Money Express

Heute mal wieder versehentlich reingeschaltet: Money Express, eine von Stephan Mayerbacher und seiner Callactive GmbH produzierte „Call-In“ TV-Show. Es kam mal wieder das „Zählen sie alle Liter“- „Gewinn“spiel. Natürlich wie immer ohne Gewinnumschlag. Das heißt, die Regie kann jede beliebige Zahl als „Lösung“ einblenden. Gesetzt den Fall, die ursprüngliche Lösung wäre vielleicht 335 und ein Zuschauer hätte per Zufall 335 gesagt, so könnte die Regie nachträglich immer noch 336 einblenden. Nachprüfen kann es keiner. So unerträglich Neun Live auch sein mag, so untransparent sind nichtmal die.

Aber das ist bei Weitem nicht die einzige Ungereimtheit, die sich bei Money-Express abspielt. Wenn man sich die Sendung regelmäßig antut, wird man feststellen, daß es zwei Spielmodi gibt:

Nummer 1 – Spiele mit eindeutiger Lösung.
Nach meiner Beobachtung beginnt in der Regel eine „Spiel“runde folgendermaßen: Zwei bis drei Anrufer werden durchgestellt, die ein einfaches Rätel lösen und dafür vergleichsweise niedrige Geldbeträge in Höhe von 30-400 Eur gewinnen. Dann wird es mysteriös: Ab sofort sind runde 50 % der „Anrufer“, die durchgestellt werden Leute, die sofort wieder auflegen. Als ob die Regie einfach nur den Telefon-Sound eingespielt hätte. Die anderen rund 50 % sind „Anrufer“, die eine komplett schwachsinnige Lösung anbieten. Wäre die richtige Lösung ‚Baum‘, so sagen diese „Zuschauer“ Sachen wie ‚Nashorn‘ oder ‚oxidative Decarboxilierung‘. Die Gewinnsumme liegt nun bei um die 4000 Euro, gerne auch mit einem Plasma-Fernseher zum anfixen. Pünktlich gegen Sendeende wird dann ein Anrufer durchgestellt, der ‚Baum‘ auflöst und gewinnt. Es ist allerdings auch schon vorgekommen, daß es innerhalb von 2 1/2 Stunden angeblich niemand geschafft hat, die richtige, SEHR einfache Lösung zu nennen. Dann behält der Sender das Geld.
Interessant auch, daß viele Leute – mich eingeschlossen – der Meinung sind, daß die „Anrufer“, die schwachsinnige Lösungen anbieten, von Sendung zu Sendung gleich klingen, sich aber immer anders nennen. Als hätte man einen festen Stab von ca. 10 Personen, der nichts anderes macht als falsche Lösungen zu sagen, damit der Zuschauer die Illusion hat, er könne tatsächlich durchkommen. Rechtlicher Disclaimer: „Als hätte…“

Nummer 2 – Spiele mit einer hohen Anzahl an Lösungsmöglichkeiten
Nach meiner Beobachtung läuft dieser „Spiel“modus folgendermaßen ab: Ein Bild wird eingeblendet, auf dem man irgendwas zählen soll. Alle Liter, alle Herz, alle Augen oder wasauchimmer. Hier werden dann in vergleichsweise hohem Tempo Anrufer durchgestellt, die alle möglichen Zahlen von 1-1000 in den Raum werfen. Daß ein derartiges Spiel korrekt gelöst wurde, habe ich nie mitbekommen. Zum Schluß wird eine beliebige Lösung eingeblendet. Da kann es denn auch mal vorkommen, daß bei zwei Spieltagen zwei Bilder, die meiner Meinung nach exakt gleich aussehen, zwei verschiedene Lösungen eingeblendet werden. Erklärungen, wie diese Lösungen dann zustandekommen, klingen im O-Ton so:
„410 wär’s gewesen. Warum? Weil, hier bei mir bei dem Faß (zeigt auf das 25-Liter-Faß) eines dahinter ist mit Stöpsel, deshalb ist der Schatten da unten. In der Mitte ist am hinteren Faß ein Stöpsel, deshalb ist der Schatten unten, im mittleren Faß, was zu sehen ist, ist aber kein Stöpsel, also der Inhalt zählt nicht. Oben, sehen sie, beim blauen, da ist kein Punkt, das zählt offiziell nicht als Abkürzung. Bei 25 Liter ist es angeschnitten, deshalb dürfen sie es da nicht zählen. Deshalb sag ich immer genau hinschauen und bei dem 10 Liter Faß da unten, da ist der Stöpsel drin und deshalb müssen sie da den Inhalt auch noch mal zählen und die Schrift zwei Mal, die oben drauf steht, ok? Das nächste Mal schaffen sie es hoffentlich.“ (Anruf-Erfleherin (manche nennen sie Animatorin) Yvonne S.)
Klar soweit?

Interessant sind aber auch noch andere Dinge:

Das Forum call-in-tv.de, das regelmäßig Call-In-Sendungen analysiert und speziell dessen Blog wird gehackt. Wer könnte wohl Interesse daran haben, ein derartiges Blog mundtot zu machen?

Im Namen von call-in-tv.de und stefan-niggemeier.de werden massenhaft Spammails mit gefälschten Spendenaufrufen verschickt, was beide Seiten in Mißkredit bringt. Stefan Niggemeier erstattet Strafanzeige. Wer könnte wohl Interesse daran haben,…

Es existieren diverse Excel-Tabellen, in denen das Neun-Live-Programm detailliert inklusive aller Verstöße aufgelistet wird. Als Autorin dieser Listen ist die Callactive-Leiterin Nadine Rumpf angegeben und auch allem sonstigen Anschein nach scheinen diese Dateien von Callactive zu kommen. Laut Callactive existieren diese Dateien aber nicht. Willkommen in der Twilight Zone.

Nachdem Stefan Niggemeier über diese Dateien berichtet hat, kommentiert ein Wesen, das sich „Journalist“ nennt, diesen Beitrag. 41 mal. Alles hat den Anschein, daß es sich bei diesem Wesen um Stephan Mayerbacher handelt. Das wird natürlich umgehend dementiert. Die IP-Adresse wird bei allen Kommentaren anonymisiert. Bis auf einmal. Diese IP-Adresse kommt von…na? Könnt ihr es euch denken? Richtig! Von einer Firma namens…Callactive.

Gegen Callactive wurde Strafantrag gestellt. Der Namen des Antragstellers wurde Callactive mitgeteilt, warum auch immer. Nun ist Stephan Meyerbachers Reaktion darauf folgende: Er veröffentlicht diverse personenbezogenen Daten im Internet. Motto: Ich weiß, wer du bist. Die Mafia gebraucht übrigens ähnliche Methoden. Aber das hat mit diesem Thema schließlich rein garnichts zu tun und ist nur ein Füllsatz.

Bei call-in-tv.de wurde aufgrund gerichtlicher Fehlentscheidungen eine Wortsperre eingerichtet, die das Wort „Fake-Anrufer“ nicht mehr zulässt. Ein User registriert sich und verfasst gleich zwei Beiträge, die diese Wortsperre umgehen. Marc Doehler sichtet die Beiträge nach wenigen Minuten und löscht sie. Dennoch bekommt er von Callactive aufgrund dieser Beiträge eine Anzeige. Die Frage: Wie wahrscheinlich ist es, daß Callactive grade zufällig zu jenem Zeitpunkt in das Forum geschaut hat? Ungefähr so wahrscheinlich, wie ein echter Mensch auf die Frage „Was ist 2+2?“ mit 113 antworten würde? Aber da derartiges Bei Callactive regelmäßig passiert, können wir nicht davon ausgehen, daß CA die Beiträge selbst verfasst hat. Schließlich ist uns das gerichtlich untersagt.

Man kommt sich ein bisschen vor wie in der DDR. Kritik muß so formuliert werden, daß sie positiv klingt, sonst landet man im Knast.
Eigentlich ist es ja egal: Wenn es tatsächlich Leute gibt, die dumm genug sind, bei Callactive anzurufen – bitte. Sie reiten sich in die Schuldenfalle und fertig. Evolutionstechnisch sinnvoll, der Stärkere (oder Klügere) überlebt. Aber dann will ich auch das Recht haben, Stephan Mayerbacher mit Bananen abzuwerfen.

Sind wir wirklich so dumm?

Die Hölle soll kein schöner Platz sein. Sie wird als „Ort der Verdammnis“ bezeichnet, an dem einen Qualen unendlichen Ausmaßes und Dämonen übelster Sorte erwarten. Man kann sie in etwa mit dem deutschen Fernsehprogramm gleichsetzen.

Wer sich einmal in diesen Dschungel menschlicher Abgründe gewagt hat, läuft Gefahr, ernsthaften Schaden zu nehmen. Hat man es mal geschafft, einem der zahllosen „Bandansage für 50 Cent“-Formate zu entkommen, bei denen einem permanent in’s Ohr gebrüllt wird, daß man „Jöööööööötzt“ anrufen solle, wird man von Gerichts- & Talkshows umzingelt. Den Frontalangriff startet Sonya Kraus, die es in „Talk Talk Talk“ hervorragend versteht, eine auf all den komprimierten Fernsehmüll perfekt abgestimmte Kleidung zu tragen. Aber auch ihre Mitstreiter sind nicht ohne: Gerade als man fliehen will, marschiert Tine Wittler in 4 Wände ein und tut so als hätte sie jede Menge Ahnung und Fachwissen. Daß in Wirklichkeit alles andere Leute erledigen lässt sich gut vertuschen, da Tine den Arbeitern einen hervorragenden Sichtschutz bietet.

Nachdem man dann also gesehen hat, was für ein schönes Zimmer man nie haben wird, darf man sich von den Putzteufeln Marke „rabiate Schiffskombüsenköchinnen“ zeigen lassen, wo man zu Hause gefälligst sauber machen soll. Wir lernen: Staub ist schlimmer als Hitler. Was wir ebenfalls lernen ist, daß man sich nie durch’s Fernsehen verkuppeln lassen sollte. Da werden „aus dramaturgischen Gründen“ bei „Frauentausch“ lesbische Punks zu religiösen Betmaschinen gesteckt und bei Pro Sieben die Zuschauer zu einer Hochzeit von Gülcan, die so interessant ist wie ein ausgelaufener Joghurtbecher. „Ganz Deutschland fiebert mit“ heißt die zugehörige Schlagzeile in der Werbung. Hierzu stelle ich fest: Ich nicht. Wenn man das also bitte im Titel berücksichtigen würde.

Doch natürlich bietet das Fernsehen auch Sendungen mit Lerneffekt. Dank Pokémon kann sich nun jeder vorstellen, wie sich Epileptiker fühlen müssen; dank Yu-Gi-Oh! wissen wir, daß man auch dann fett Kohle machen kann, wenn man absolut gar keine eigenen Ideen hat und dank „Oops!“, der Pannenshow, können wir erfahren, daß RTL es richtig geil witzig findet, wenn sich die kleine Anne den Fuß verstaucht. Herrlich! Stellt euch das nur mal vor, die STOLPERT! – UND verstaucht sich den Fuß! Köstlich!

Aber man darf auch nicht unfair sein. Sogar in der Anfangszeit des Fernsehens gab es Sendungen, die die gleiche inhaltliche Qualität boten. Nur nannte man sie damals anders. Da hießen sie noch „Testbild“.

Politisch korrekt in eine rosa Teletubbie-Welt

Man kennt das aus „Bill Cosby“ oder „Alle unter einem Dach“ – eine Familie, idealerweise bestehend aus den Eltern sowie drei Kindern (zwei weiblich, eines männlich) diskutieren in lauschiger Vorgartenidylle darüber, wie man Mutter das schönste Geburtstagsgeschenk machen kann. Die Nachbarn sind liebenswert-verschroben und Probleme treten etwa auf in Form einer auf dem Boden liegenden Bananenschale, mit Hilfe derer man dem Kind vermitteln kann, wie wichtig es ist, aufzuräumen. Die schlimmsten Fluchwörter sind „Da soll mich doch der Hafer beißen“ oder „Kraut und Rübensalat!“ und die Grundstimmung ist vergleichbar mit einem knuffigen Zimtbrötchen.
Und man kennt vielleicht aus Kindertagen noch die alten „Tom & Jerry“, „Droopy“ oder allgemein Tex Avery-Cartoons. Ein absurder Gag folgte auf den nächsten, je durchgeknallter und abgedrehter, desto besser. Cartoons bilden eine eigene Welt, in der eigene Regeln gelten. Auch wenn man als Kind sieht, wie Droopy den Wolf eine Schlucht hinunterstürzt, dann weiß man trotzdem, daß man das im echten Leben tunlichst unterlassen sollte, da man sonst verdammt großen Ärger bekommt. Man ist ja nicht bescheuert.

Nun erleben die alten „Classic Cartoons“ grade ihr großes Revival. Was in Amerika – natürlich – in viel größerem Stil anläuft, kommt langsam auch zu uns. Wenn man dann mal zufällig dort reinzappt und sich fragt, ob die Cartoons irgendwie lahmer geworden sind, sollte man sich mal die alten VHS-Bänder von früher anschauen – oder auf diese Seite gehen: http://looney.goldenagecartoons.com/ltcuts – Im Auftrag der Prüderie greift mal wieder die Schere der Zensur um sich und nichts ist vor ihr sicher. Da wird es für Kinder als zu brutal empfunden wenn sich Tiere gegenseitig mit einer Zeitung verhauen, ein Aspirin-Gag wird entfernt (nicht, daß noch Schleichwerbe-Vorwürfe kommen), geraucht und getrunken darf sowieso nicht mehr werden – genau wie man Szenen, in denen ein weiblicher Brustansatz zu sehen ist, retuschiert – und daß Szenen, die auf andere Völker anspielen, mit der Rassismuskeule rausgehauen werden, versteht sich trauriger Weise schon von selbst. Könnte sich ja irgendjemand diskriminiert fühlen. Kurzum: Die alte Cartoon-Welt ist nicht mehr. Wer heute Anspielungen oder Gewalt in Cartoons zeigen will, muß gefälligst von vorneherein klar machen, daß er sich an Erwachsene richtet.
Zweifellos, auch heute gibt es noch gute Cartoons. Simpsons, South Park, Free 4 All oder Drawn Together sind Serien, die zwar sehr gut sind, denen man als Kind aber nicht wirklich folgen kann. Die Classic Cartoons waren was für’s Auge, gesprochen wurde eher wenig und die Handlung war doch sehr überschaubar.

Wenn wir Erwachsene einen Cartoon sehen, in dem Jerry in ein Ofenrohr sieht und anschließend mit schwarzem Klischee-Neger-Gesicht wieder rausschaut, dann schlägt es in uns Alarm: Wir, die wir täglich mit Nachrichten über neue rassistische Vorfälle konfrontiert werden, können zwangsläufig an gar nichts anderes denken als an vermeintliche Diskriminierung. Daß das Ganze auch nur ein kleiner Sidekick-Gag sein könnte, steht überhaupt nicht zur Debatte. Wenn es im Original schwarze Figuren wären, denen Milch über’s Gesicht läuft und die dann zu Klischee-Weißen werden – warum denn nicht? Ich fühle mich dadurch in keinster Weise angegriffen.

Überhaupt nehmen Kinder – die dieses Vorwissen, das wir haben, nicht besitzen – das Ganze völlig anders wahr. Für die verwandelt sich Jerry einfach in eine lustig aussehende Cartoon-Figur. Sooft ich in meiner Kindheit auch Tom & Jerry gesehen habe, ich habe diese Karikatur nie mit real existierenden Menschen gleichgesetzt. Ebenso wie ich nicht aufgrund von Cartoons mit dem rauchen & saufen angefangen habe, durch einen weiblichen Brustansatz nicht traumatisiert wurde, mir Zeitung damals noch gestohlen bleiben konnte und auf meiner Weihnachtswunschliste nie Aspirin stand. Aber vermutlich bin ich ein Einzelfall.

Wir werden sehr viel Spaß haben in dieser schönen neuen Welt. Eine Welt, in der jeder 5jährige problemlos an Egoshooter wie Soldier of Fortune oder Counterstrike kommt, aber zumindest Tom & Jerry sich nur noch liebkosen. Willkommen. Ich mach mir jetzt ein Zimtbrötchen.